Heizkosten im Vergleich: Was kosten 20.000 kWh Wärme?
Wie groß die Unterschiede zwischen den Heizsystemen sein können, zeigt eine vereinfachte Beispielrechnung. Wir gehen von einem Gebäude aus, das jährlich 20.000 kWh nutzbare Wärme benötigt.
Die tatsächlichen Kosten hängen natürlich vom jeweiligen Tarif, dem Wirkungsgrad der Heizung, dem Gebäude und bei Wärmepumpen insbesondere von der Jahresarbeitszahl ab.
Für unseren Vergleich rechnen wir beispielhaft mit folgenden Energiepreisen:
| Energieträger | angenommener Preis |
|---|---|
| Haushaltsstrom | 30 Cent/kWh |
| Wärmepumpenstrom | 25 Cent/kWh |
| Erdgas | 11 Cent/kWh |
| Heizöl | 1,50 €/Liter |
| Holzpellets | 7 Cent/kWh |
Elektrische Direktheizung
Bei einer Direktstromheizung werden aus 20.000 kWh Strom ungefähr 20.000 kWh Wärme.
20.000 × 0,30 € = 6.000 € pro Jahr
Damit landet die klassische Elektroheizung in unserem Beispiel mit Abstand am oberen Ende.
Wärmepumpe
Bei einer Wärmepumpe kommt es entscheidend auf die Jahresarbeitszahl an. Erreicht die Anlage beispielsweise eine JAZ von 3,5, benötigt sie für 20.000 kWh Wärme rund 5.714 kWh Strom.
5.714 × 0,25 € = rund 1.429 € pro Jahr
Selbst wenn die Wärmepumpe nur eine Jahresarbeitszahl von 3 erreicht, wären rund 6.667 kWh Strom erforderlich.
Das entspräche bei 25 Cent/kWh rund 1.667 Euro pro Jahr.
Gasheizung
Bei Erdgas muss der Wirkungsgrad der Heizung berücksichtigt werden. Bei angenommenen 95 Prozent werden für 20.000 kWh nutzbare Wärme etwa 21.050 kWh Gas benötigt.
21.050 × 0,11 € = rund 2.316 € pro Jahr
Hinzu kommen unter anderem Grundpreis und gegebenenfalls weitere Kosten.
Ölheizung
Ein Liter Heizöl enthält grob 10 kWh Energie. Bei einem angenommenen Jahresnutzungsgrad von 90 Prozent wären für 20.000 kWh Wärme rund 2.220 Liter Heizöl erforderlich.
Bei 1,50 Euro pro Liter ergibt das:
2.220 × 1,50 € = rund 3.330 € pro Jahr
Gerade beim Heizöl ist diese Rechnung allerdings nur eine Momentaufnahme. Der Ölpreis kann innerhalb weniger Wochen erheblich schwanken.
Pelletheizung
Auch bei Pellets muss der Wirkungsgrad berücksichtigt werden. Bei angenommenen 90 Prozent müssten rund 22.220 kWh Brennstoff eingesetzt werden.
Bei einem angenommenen Energiepreis von 7 Cent/kWh wären das:
rund 1.556 € pro Jahr
Dazu kommen Stromverbrauch, Wartung und gegebenenfalls Schornsteinfegerkosten.
Der Vergleich auf einen Blick
Bei 20.000 kWh benötigter Wärme ergibt unsere Beispielrechnung:
| Heizsystem | Energiekosten pro Jahr |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | ca. 1.429 € |
| Pelletheizung | ca. 1.556 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,0 | ca. 1.667 € |
| Gasheizung | ca. 2.316 € |
| Ölheizung | ca. 3.330 € |
| Direktstromheizung | ca. 6.000 € |
Die Zahlen zeigen sehr deutlich, warum die Aussage „Heizen mit Strom ist teuer“ zu einfach ist.
Eine Wärmepumpe und eine elektrische Direktheizung verwenden beide Strom. Trotzdem können die Energiekosten in unserem Beispiel um mehr als den Faktor vier auseinanderliegen.
Aber Vorsicht: Energiekosten sind nicht Gesamtkosten
Der Vergleich hat einen Haken: Er berücksichtigt nur den laufenden Energieverbrauch.
Eine Elektroheizung ist ausgesprochen günstig in der Anschaffung. Es werden weder Heizkessel noch Brennstofflager, Schornstein oder wasserführende Heizungsverteilung benötigt. Auch der Wartungsaufwand ist gering.
Eine Wärmepumpen-, Pellet-, Öl- oder Gasheizung verursacht dagegen erhebliche Investitionskosten.
Deshalb kann eine Direktstromheizung trotz hoher Stromkosten wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn nur sehr wenig Wärme benötigt wird.
Ein einfaches Beispiel:
Benötigt ein kleines Gebäude lediglich 2.000 kWh Wärme pro Jahr, kostet die Direktstromheizung bei 30 Cent/kWh rund 600 Euro jährlich.
Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 käme bei 25 Cent Strompreis rechnerisch auf lediglich rund 143 Euro.
Die Differenz beträgt also etwa 457 Euro pro Jahr.
Müssten für die Wärmepumpenanlage dafür aber beispielsweise 15.000 oder 20.000 Euro zusätzlich investiert werden, sieht die wirtschaftliche Betrachtung plötzlich ganz anders aus.
Bei einem Wärmebedarf von 20.000 kWh pro Jahr beträgt die Differenz dagegen mehrere Tausend Euro jährlich.
Je höher der Wärmebedarf, desto wichtiger wird die Effizienz der Heizung.
Was passiert bei 10.000 kWh Wärmebedarf?
Bei einem kleineren oder gut gedämmten Gebäude halbieren sich die Verbrauchskosten unseres Beispiels ungefähr:
| Heizsystem | Energiekosten pro Jahr |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | ca. 714 € |
| Pelletheizung | ca. 778 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,0 | ca. 833 € |
| Gasheizung | ca. 1.158 € |
| Ölheizung | ca. 1.665 € |
| Direktstromheizung | ca. 3.000 € |
Und genau hier zeigt sich, warum es die eine „beste Heizung“ nicht gibt.
Wer ein großes unsaniertes Gebäude beheizen muss, stellt andere Anforderungen an eine Heizungsanlage als jemand, der eine hervorragend gedämmte kleine Wohnung, ein Ferienhaus oder lediglich einen Hobbyraum beheizen möchte.
Fazit: Nicht der Energiepreis allein entscheidet
Wer Heizkosten vergleichen möchte, sollte sich nicht allein fragen, was eine Kilowattstunde Strom, Gas, Heizöl oder Pellets kostet.
Entscheidend ist vielmehr:
Was kostet die tatsächlich im Raum ankommende Kilowattstunde Wärme?
Und für die wirtschaftliche Gesamtbetrachtung kommen noch Anschaffung, Finanzierung, Wartung, Reparaturen und Lebensdauer der Heizungsanlage hinzu.
Eine Heizung, die im Betrieb 1.000 Euro pro Jahr spart, ist nicht automatisch wirtschaftlicher, wenn ihre Anschaffung dafür 30.000 Euro mehr kostet.
Umgekehrt hilft eine extrem günstige Elektroheizung wenig, wenn sie Jahr für Jahr mehrere Tausend Euro zusätzliche Energiekosten verursacht.
Zeitgemäß elektrisch heizen? Durchaus. Aber die Technik und der tatsächliche Wärmebedarf entscheiden darüber, ob es auch wirtschaftlich ist.


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