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Holzpelletheizung
News
Quelle: www.mz-web.de
Der Ofen ist wieder an
Gewaltige Nachfrage wegen teurem Öl und Gas
Ofenfest in Wolfen: So ein Öfchen spendet nicht nur Wärme und Gemütlichkeit -
man kann in der Glut auch prima Bratäpfel zaubern. Attila Jozsa und Thomas Kosan
gucken, wie sie gelungen sind. (MZ-Foto: Thomas Meinicke)
Hamburg/dpa. Der Ofen ist aus, hieß es in den 70er Jahren in Deutschlands
Wohnräumen. Kaminöfen als Wärmequelle hatten ausgedient, waren chancenlos gegen
die Zentralheizung. Doch jetzt bescheren drastisch steigende Preise für Öl und
Gas den Feuerstätten ein fulminantes Comeback. Die Nachfrage nach den
vornehmlich mit Holz betriebenen Öfen ist so groß wie seit Jahrzehnten nicht
mehr. Baumärkte melden viele Modelle mitten in der Saison als ausverkauft,
Ofen-Hersteller bejubeln ihren Absatz. Selbst das krisengeschüttelte
Schornsteinfeger-Handwerk spürt plötzlich wieder Aufwind.
«Der Absatz hat seit 2001 regelmäßig zugenommen, aber in diesem Jahr gab es
eindeutig den größten Sprung», sagt Frank Kienle, Geschäftsführer beim
Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik. Der Verband schätzt, dass in
diesem Jahr rund 350 000 Kaminöfen sowie Kamin- und Kachelofeneinsätze verkauft
werden, rund 25 Prozent mehr als 2004 und sogar fast doppelt so viele wie noch
2001.
Der wesentliche Grund für den Boom liegt in den steigenden Rohstoffpreisen, sagt
Kienle. «Der Verbraucher sieht sich nach Alternativen zum Heizen um.» In diesem
Winter lassen die Deutschen öfter ihre Heizung aus, um am teuren Öl und Gas zu
sparen. Stattdessen setzten sie auf Holz, das nach Berechnungen der
Landwirtschaftskammer Hannover nur ein Drittel der Heizkosten verursacht. So
betrage der Preis für eine Kilowattstunde knapp 2 Cent, wenn Holzhackschnitzel
oder Scheitholz verbrannt würden, aber fast 6 Cent beim Einsatz von Öl und Gas.
Für 31 000 Haushalte war dieses Preisverhältnis in diesem Jahr sogar Grund
genug, ihre Zentralheizung komplett auf Holz umzustellen. Nach Angaben des
Bundesverbandes Haus-, Energie und Umwelttechnik stiegt der Absatz dafür
benötigter Holz- und Pelletkessel 2005 um mehr
als 50 Prozent.
Vor allem aber profitieren von den anschwellenden Öl- und Gasrechnungen die 40
bis 50 größeren Ofenhersteller in Deutschland. Andreas Müller, zuständig für das
Marketing beim Kaminofen-Produzenten Hark, spricht von einer äußerst guten
Stimmung in der Branche: «Die Nachfrage ist drastisch angestiegen». Nimmt die
Zahl der Unternehmenspleiten hier zu Lande fortwährend zu, gibt es unter den
Ofenherstellern seit längerem keine Insolvenzen. Die schätzungsweise mehr als 10
000 Beschäftigten müssen sich um ihre Jobs derzeit kaum Sorgen machen. Laut
Kienle würden viele Firmen gerne noch mehr produzieren, die Kapazitäten seien
aber häufig voll ausgereizt.
Auch die Baumärkte, Ende der 90er Jahre verstärkt in den Handel mit Kaminöfen
eingestiegen, profitieren. «Wir haben in einzelnen Märkten bereits jetzt sie
Saisonmenge des letzten Jahres verkauft. Und das, obwohl die Saison gerade erst
angelaufen ist», sagt Robert-Emil Kautzmann von Hornbach. Johanna Messeen,
Sprecherin der Baumarktkette Obi, konstatiert: «Das ist ein richtiger Trend».
Nicht immer könnten Kunden den Ofen ihrer Wahl sofort bekommen, für manche
Modelle bestünden Wartezeiten bis ins kommende Jahr. «Wir wurden von der
Nachfrage dermaßen überrollt, dass wir Lieferschwierigkeiten bekamen», sagt
Harald Günter von Praktiker.
Beliebt sind dabei nicht nur die Einstiegsmodelle, die bereits unter 200 Euro zu
haben sind und oft auch für den Notfall gekauft werden, wenn etwa wie kürzlich
im Münsterland der Strom lange ausfällt. Auch Öfen im Wert von 2000 bis 3000
Euro mit Zusatzfunktionen und goldenen Griffen finden reißenden Absatz. «Ein
Trend ist, den Kaminofen als Möbelstück zu betrachten, der dem Zimmer Ambiente
verleiht», sagt Kienle.
Das Ende einer langen Durststrecke brachte der Ofen-Trend den rund 8000
Schornsteinfeger-Betrieben in Deutschland. «Man merkt plötzlich wieder, es geht
nicht ohne uns», sagt Christian Schmahl vom Bundesverband des
Schornsteinfegerhandwerks. Wurde der Kaminkehrer von Hausbesitzern schon als
überflüssiger Kostenfaktor abgetan, ist er jetzt beim Anschließen und Warten der
Öfen eine unverzichtbare Hilfe. «Wenn jemand ein Kaminofen aufstellen möchte,
muss er sich bei seinem Bezirksschornsteinfeger erkundigen», sagt Schmahl.
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