Ökostrom ist schon bald billiger |
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Darmstädter Unternehmen ist der größte Anbieter im Rhein-Main-Gebiet
Eine Solaranlage versorgt das Parkhaus am Hauptbahnhof in Darmstadt und 20 Haushalte mit Strom.
RHEIN-MAIN Darmstadt ist die Wissenschaftsstadt im Rhein-Main-Gebiet. Um ihre Bedeutung für Innovation und Zukunftstechniken zu untermauern, setzt die Stadtverwaltung verstärkt auf erneuerbare Energien. 32 Prozent des Strombedarfs werden aus Wasserkraft, Windkraft und Biomasse gewonnen.
Auf dem Schienennetz in Darmstadt fährt seit Anfang August die erste Ökostrom-Straßenbahn Deutschlands, die NaturPur-Bahn. Der grüne Zug mit seinen orangefarbenen Streifen setzt sich auch äußerlich vom Rest des Fuhrparks ab. Der Strombedarf der Bahn wird von der NaturPur Energie AG zu 100 Prozent aus umweltfreundlichen Quellen ins Stromnetz eingespeist. Dadurch werden die von der Straßenbahn verursachten Schadstoffemmissionen vollständig neutralisiert, die Bahn fährt also klimaneutral. Innerhalb eines Jahres werden allein auf der Darmstädter Straßenbahnlinie 257 Tonnen des Treibhausgases CO2 vermieden.
Der Strombedarf Deutschlands wird zu 52 Prozent aus Kohle und zu 30 Prozent aus Kernkraft gespeist. Bei der Verbrennung von Kohle entstehen gewaltige Mengen des Klimakillers CO2. Hinzu kommt: Deutsche Kohle ist teuer, sie wird mit Milliarden von Steuergeldern subventioniert. Kohle aus Südafrika oder China wird um den halben Erdball transportiert, bevor sie in Deutschland verstromt wird. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist beschlossene Sache. Bis heute ist die Lagerung der atomaren Abfälle nicht geklärt. Die Uranvorräte sind begrenzt. Zudem sind Atomkraftwerke ein Sicherheitsrisiko.
Es ist also an der Zeit, sich nach anderen Stromquellen umzusehen. Das hat das Darmstädter Unternehmen NaturPur Energie getan. Die Firma ist zum größten Anbieter von Ökostrom im Rhein-Main-Gebiet geworden. Von Mainz bis Frankfurt, von Aschaffenburg bis Darmstadt wird aus zahlreichen Windkraft-, Biomasse-, Wasser- und Kraft-WärmeKopplungs-Anlagen Strom gewonnen, bei dessen Herstellung die Umwelt nicht belastet wird. 89 Solarkraftwerke sind inzwischen installiert. In den kommenden Jahren will sich die Gesellschaft verstärkt auf Biogasanlagen konzentrieren. Biomasse: das sind Pflanzenreste, landwirtschaftliche Abfälle oder Lebensmittelreste. Bei deren Vergärung entsteht Biogas. Das Gas wird im Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Landwirte können sich als Betreiber einer Biogasanlage ein zweites Standbein aufbauen. Die Abnahme der Energie ist laut Gesetz zu einem auf 20 Jahre festgelegten Preis garantiert. "Für Milch und Zuckerrüben gibt es weniger Geld", weiß NaturPur-Geschäftsführer Josef Werum.
Swimmingpool am Hof Der größte von NaturPur betreute Hof im Odenwald liefert Strom für 200 Haushalte. Die Anlage erspart dem Landwirt zusätzlich 6000 Liter Heizöl. Und bei der Stromgewinnung entsteht so viel Wärme, dass der Bauer damit sogar einen kleinen Swimmingpool beheizen kann.
2100 Kunden hat NaturPur inzwischen. Die größten sind die Stadt Darmstadt, die 32 Prozent ihres Stromes vom ortsansässigen Ökostromanbieter bezieht, und damit Schulen, Studentenwohnheime, Schwimmbäder und Dorfgemeinschaftshäuser versorgt. Es folgen die Stadt Mainz und die Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg.
Arbeitsplätze in der RegionSicher, noch ist Ökostrom teurer als Strom aus Kohle oder Atomkraft. Aber ein vierköpfiger Haushalt zahlt im Monat gerade mal 4,70 Euro mehr, wenn er auf Ökostrom umstellt. Und die Kosten werden sich angleichen, je mehr Kunden die Ökostromanbieter gewinnen. Für Kommunen lohnt sich die Zusammenarbeit auf jeden Fall. In der Regel stellt NaturPur Energie die Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung und mietet die Dächer an, auf lange Sicht ein gutes Geschäft für Verwaltungen. "Die Mehrkosten für Ökostrom werden mehr als kompensiert", verspricht Geschäftsführer Werum, der prognostiziert: "Ökostrom ist bald billiger als konventioneller". Zudem fließe das Geld der Kunden nicht zu umstrittenen Großkonzernen wie RWE, sondern bleibe in der Region und schaffe hier Arbeitsplätze.
Quelle: www.wiesbadener-kurier.de
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