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News Montag, 09.01.2006 11:33

Unabhängig vom steigenden Energiepreis

 

Niedersächsischer Ort Jühnde ist bundesweit das erste Bioenergie-Dorf



Jühnde / Dardesheim. Bioenergie-Dorf, so nennt sich ganz offiziell der 780-Seelen-Ort Jühnde in Südniedersachsen, unweit von Göttingen gelegen. Er hat sich in diesem Jahr abgenabelt von steigenden Erdgas- und Heizölpreisen und beheizt 80 Prozent seiner Häuser mit Hilfe von Biomasse, gewonnen aus Pfl anzensilage, Holzhackschnitzel und Gülle. Auch Strom wird daraus erzeugt. " Wir sind keine Spinner ", sagt Bürgermeister August Brandenburg, der sich trotz seiner 75 Jahre mit ganzem Einsatz vor das Projekt gespannt hat. Es stammte von der Universität Göttingen – ein Forschungsprojekt, um einerseits eine Alternative zu den endlichen Rohstoffvorkommen zu testen, andererseits einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Denn das in Erdgas und -öl gebundene Treib hausgas Kohlendioxid wird binnen kurzer Zeit frei gesetzt. Jühnde ist der bundesweit erste Ort, in dem die gesamte Wärme- und Stromversorgung durch Biomasse erfolgt. Das sorgt nicht nur für Aufsehen in Deutschland, sondern weltweit. " Dieses Jahr hatten wir schon 2000 Besucher ", berichtet Klaus Hassenzahl, bei dem die Besucheranfragen eingehen. Seit April kamen Delegationen von Japan bis Kanada. 15 Ehrenamtliche stehen für Besucherführungen bereit. Auch in Sachsen-Anhalt fi ndet das Bioenergie-Dorf Interesse. So war kürzlich ein Bus aus Dardesheim angereist. Die drittkleinste Stadt von Sachsen-Anhalt ( 940 Einwohner ) möchte sich zur Stadt der erneuerbaren Energien entwickeln. Eigentlich ist sie es schon. Auf einem Berg über der Stadt thronen bereits fast 30 Windräder, weitere werden folgen. Die in diesen Tagen installierten Solardächer werden für einen Spitzenplatz im Land sorgen, und im kommenden Jahr soll noch eine Nahwärmeversorgung aus Bio masse hinzukommen. Unterstützung bei den Vorbereitungen gibt auch die Universität Göttingen, die schon Jühnde Pate stand. Von der Umstellung auf lokale Nahwärme müssen natürlich die Bewohner erst überzeugt werden. Und für sie zählt zuerst der Preis. In Jühnde sah die 2002 erstellte Kalkulation so aus : Einschließlich aller Abschreibungen für die Anlagen kostete den Verbraucher die Nahwärme ebenso viel wie Heizöl bei einem Preis von 35 Cent je Liter ( ca. 1800 Euro im Jahr ). Bei einem Ölpreis von 50 Cent kam man bei der Berechnung schon auf einen Vorteil von 600 Euro im Jahr. Mittlerweile ist der Heizölpreis auf über 60 Cent gestiegen … Doch erst mal musste in Jühnde investiert werden. Auch die Bewohner mussten zahlen – im Durchschnitt rund 5000 Euro je Abnehmer. Dazu gehörten 1500 Euro als Einlage in die eigens gebildete Genossenschaft, 1000 Euro als Anschlusskosten und eine weitere Summe in die Technik. Die Jühnder zahlen derzeit 500 Euro Grundgebühr im Jahr und 4, 9 Cent je Kilowattstunde. In der Nahwärmeleitung befindet sich 80 Grad heißes Wasser, das durch das Heizungssystem in den Häusern fließt, aber auch für Dusche und Waschbecken verwendet werden kann. Betreiber der Bioenergieanlage ist eine Genossenschaft, der alle Abnehmer angehören. Gefüttert wird speziell die Biogasanlage mit Stoffen, die von den neun Landwirten im Dorf kommen. " Sie verdienen dadurch nicht mehr als vorher ", sagte Aufsichtsratsmitglied Dieter Andert, " sie haben aber eine sichere Einnahmequelle. "


Quelle: www.volksstimme.de


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