Schwankendes Stromangebot zwingt zu Flexibilisierung
Verkehrte Börsenwelt: Der Stromverkäufer zahlt an den Kunden für die
Stromabnahme. Anfang Oktober waren es kurzzeitig bis zu 500 Euro je
Megawattstunde. Eine jetzt veröffentlichte Studie des Energiewirtschaftlichen
Instituts an der Universität zu Köln zeigt Ursachen für den kurzzeitigen,
extremen Preisverfall auf und schlägt Maßnahmen vor, die dem entgegenwirken. Das
Bundeswirtschaftsministerium hat die Untersuchung beauftragt.
Ein negativer Preis und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hängen eng
zusammen. Strom aus Windenergie muss nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG)
vorrangig ins Netz eingespeist werden. Unter normalen Umständen passt sich die
Stromerzeugung der konventionellen Kraftwerksparks flexibel daran an. Bläst der
Wind besonders stark und trifft das daraus resultierende Energieangebot auf
keine entsprechende Nachfrage, kann dies zu Problemen führen. Stromeinspeisung
und -abnahme müssen im Gleichgewicht sein, damit das System stabil bleibt. Für
die Elektrizitätsversorgungsunternehmen ist es dann kostengünstiger, negative
Preise zu zahlen als ihre Kraftwerke drastisch zu drosseln.
Um den Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem trotzdem weiter zu erhöhen,
sind Investitionen in flexiblere Kraftwerke sowie die Entwicklung effizienter
Speicher nötig. Strom aus Erneuerbaren Energien muss bedarfsgerechter
eingespeist und die Nachfrage bei Abnehmern in Industrie, Gewerbe und
Privathaushalten besser gesteuert werden. Elektrofahrzeuge als zusätzliche
Abnehmer sind ebenfalls von Interesse.
Das komplette Kurzgutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts können
Interessenten auf den Seiten des BMWi herunterladen.
Forschungsförderung setzt bei Kernproblemen an
Mit ihrer Forschungsförderung setzen sowohl das Bundeswirtschafts- als auch das
Bundesumweltministerium einen Schwerpunkt auf die Anpassung der Stromnetze an
zukünftige Erzeugungs- und Verbrauchsstrukturen. In zahlreichen Projekten werden
sowohl die hierfür nötigen Bausteine wie Stromspeicher und Komponenten für Smart
Grids als auch deren Zusammenspiel erforscht. Einige Beispiele:
Forscher des Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES)
in Kassel sowie der Leibniz Universität Hannover führen eine Komplettsimulation
zukünftiger Stromversorgungssysteme durch. Die Simulationsumgebung soll in der
Lage sein, Herausforderungen für die Stromnetze, die durch die sich verändernden
Einspeisestrukturen entstehen, zu identifizieren und zu analysieren sowie
nachfolgend Lösungsansätze und Anforderungen an den Umbau der Energieversorgung
zu untersuchen.
Den Einsatz von Stromspeichern untersucht ein Verbundprojekt des
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT)
gemeinsam mit der TU Darmstadt und dem Energieversorger EnBW.
Forscher der Technischen Universität Clausthal ermitteln in einer
Potenzialstudie die Kapazität stillgelegter Bergwerke für die Speicherung von
Windenergie.
Förderkonzepte
Das Förderkonzept „Stromspeicher“ sowie das Förderkonzept „Netze für die
Stromversorgung der Zukunft“ können von den Seiten des
Bundeswirtschaftsministeriums sowie des Projektträgers Jülich als PDF-Datei
herunter geladen werden.
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