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News Donnerstag, 02.07.2009 15:22

Sanierung eines Wohngebäudes in Konstanz

 

Leben im Energiespar-Altbau Wunsch nach Bollerofen führte zu Gesamtsanierung



Die Rollers aus Konstanz haben ihr Haus aus den siebziger Jahren zur Energiesparimmobilie verwandelt. Der Charakter des Hauses wurde erhalten, der Energieverbrauch ist auf ein Viertel gesunken. Teilnahme am Wettbewerb der Deutschen Energie-Agentur für energieeffiziente Altbauten.
 
 1992 kauften sich Dorith und Jürgen Roller ein Einfamilienhaus in einem Vorort von Konstanz. Die alte Wohnung war zu klein geworden: Im selben Jahr noch kam Tochter Leandra auf die Welt, drei und sechs Jahre später folgten Felix und Johannes. 2007 entschied sich die Familie schließlich, das Haus am Bodensee, Baujahr 1976, zu einem Energiesparhaus umzubauen. „Eigentlich wollte ich nur einen Bollerofen als Zusatz für die nicht mehr richtig funktionierende Ölheizung“, sagt Dorith Roller und lacht. „Der Heizungsbauer fragte uns dann, warum wir nicht das ganze Haus mit einer Holzheizung heizen wollen.“
 
 Die Idee gefiel den Rollers. Der Ölpreis stieg und stieg, erneuerbare Energien wurden immer beliebter. Der Nachbar hatte bereits eine Solaranlage auf dem Dach. „Da fragten wir den Architekt und Energieberater Roland Baumgärtner aus Konstanz, wie wir unser Haus auf mehr Energieeffizienz trimmen können“, sagt Jürgen Roller. „In einem ersten Schritt erstellte Herr Baumgärtner einen Energieausweis für das Haus, der die Effizienzpotenziale offen legte und entwarf anschließend Pläne für ein neues Energiekonzept.“ Die Grundpfeiler waren schnell klar: Eine Dämmung, eine Lüftungsanlage und erneuerbare Energien.
 
 Experten bestätigen die Vorteile solcher nachhaltigen Energiekonzepte. „Die Kombination Dämmung und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bietet sich bei energieeffizienten Sanierungen geradezu an. Die Heizung kann so deutlich kleiner ausfallen“, sagt Claudia Rist vom Landesprogramm Zukunft Altbau. „Werden dann noch erneuerbare Energien genutzt, reduziert das zusätzlich den Kohlendioxidausstoß und die Heizkosten. Insgesamt kann der Energieverbrauch oft um den Faktor vier reduziert werden.“
 
 Bei den Rollers war das der Fall. „Vor der Sanierung wies das Haus einen hohen Endenergiebedarf von 245 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter auf. Jetzt sind es nur noch 64 Kilowattstunden“, sagt Architekt Baumgärtner. „Der generalüberholte Altbau benötigt insgesamt sogar weniger als ein Neubau.“ Viele Ein- und Zweifamilienhäuser sind noch nicht so weit. Sie haben einen Anteil von 80 Prozent am gesamten Wohnbestand und verschwenden oft erhebliche Energiemengen. Damit sich das ändert, hat der Staat im April die Förderung für Energieeffizienz in Altbauten nochmals erhöht. Hinzu kommen neue gesetzliche Bestimmungen. Im Oktober 2009 etwa tritt die Novelle der bundesweiten Energieeinsparverordnung 2009 in Kraft, im Januar 2010 wird das Erneuerbare-Wärme Gesetz des Landes Baden-Württemberg für Altbauten wirksam.
 
 Diese Gesetzesvorgaben erfüllt das Haus Roller spielend. Die alten Fenster wurden durch Drei-Scheiben-Wärmeschutzfenster ersetzt. Dann kamen die Dämmung von Dach und Außenwand und die Installation der Lüftungsanlage. „Die Lüftungsanlage ist mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet“, erklärt Jürgen Roller und zeigt auf einen Kasten auf dem Dachboden. „So entweicht im Winter deutlich weniger Wärme nach draußen. Die Lüftung überträgt 90 Prozent der Abluftwärme auf die Zuluft. In der heizfreien Zeit schalten wir die Lüftungsanlage ab und lüften über die Fenster.“
 
 Auch die Scheitholzheizung müssen die Rollers im Sommer nicht anwerfen. 24 Quadratmeter solarthermische Kollektoren auf dem Südwestdach und ein Solarspeicher sorgen für warmes Wasser, in der Übergangszeit von Herbst und Frühling unterstützen die Kollektoren sogar die Heizung. Das Holz für die Heizung stammt von einem Flächenlos des Försters und ist deutlich günstiger als ofenfertiges Scheitholz, „Das Bearbeiten des Holzes spart uns außerdem das Fitnessstudio“, meint Dorith Roller augenzwinkernd.
 
 Die Sanierung hatte aber auch ihre Tücken. „Probleme zeigten sich etwa hinsichtlich der Luftdichtigkeit des Hauses“, so Architekt Baumgärtner. Hier wurde nachgebessert. „Das hat Zeit und Nerven gekostet, aber vom Ergebnis her lohnt es sich wirklich“, so Dorith Roller. „Das Haus sieht nun schöner aus, wobei der alte Charakter des Hauses erhalten blieb. Wir können die Heizung im Frühjahr deutlich eher ausstellen und duschen im Sommer fröhlich mit solar erwärmtem Wasser.“ Froh sind die Rollers auch, dass ihr saniertes Haus am Wettbewerb der Deutschen Energie-Agentur dena für energieeffiziente Altbauten mitmacht.
 
 Die Sanierung macht sich auch finanziell bezahlt: Sie kostete 90.000 Euro. Beglichen hat die Familie nur 76.000 Euro. „Alles weitere stammt aus dem Tilgungszuschuss der KfW Förderbank und dem Zuschuss der BAFA für die Solaranlage“, freut sich Jürgen Roller. „Hinzu kommt der zinsgünstige Kredit der KfW.“ Von der Investition abziehen müsse man zudem die „Sowieso-Kosten“, rechnet Energieberater Baumgärtner vor. Diese Ausgaben wären ohnehin angefallen, da die Heizung und die Dämmung erneuert werden mussten. „Berücksichtigt man dann den gestiegenen Wert der Immobilie und die von knapp 2.500 Euro auf 350 Euro jährlich gesunkenen Heizkosten, amortisieren sich die verbliebenen Mehrkosten für die Energieeffizienzmaßnahmen nach 13 Jahren“, so Baumgärtner. Danach spart die Familie Roller 180 Euro monatlich an Heizkosten.


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