Gezeitenkraftwerk
Ein Gezeitenkraftwerk ist prinzipiell ein Wasserkraftwerk,
welches die Strömungsenergie des Wassers nutzt, um damit eine Turbine
anzutreiben, welche wiederum Strom erzeugt. Die Strömung wird hier nicht, wie
z.B. in einem Laufwasserkraftwerk, durch ein stetig talwärts fließendes Gewässer
erzeugt, sondern es wird der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut, der so
genannte Tidenhub genutzt.
Um den Höhenunterschied ausnutzen zu können, werden Gezeitenkraftwerke
normalerweise in geeigneten Buchten oder Flussmündungen gebaut; hierzu wird ein
Staudamm oder ein Deich errichtet, welcher das aufsteigende bzw. das abfließende
Wasser abbremst. Das Wasser wird im Stauwerk durch eine oder mehrere Turbinen
geleitet, welches die durch die Stauung verstärkte Strömung nutzt.
Durch die Tatschache, dass das Wasser in zwei unterschiedlichen Richtungen durch
die Turbine strömt, würde sich die Turbine normalerweise ebenso unterschiedlich
drehen; um dies zu vermeiden, sind die Rotorblätter der Turbine drehbar
montiert, sie können je nach Durchströmungsrichtung unterschiedlich angestellt
werden, so dass sich die Drehrichtung der Turbine nicht verändert.
Dadurch, dass hier die natürlichen Höhenunterschiede des Wassers genutzt werden,
wird Strom aus einem Gezeitenkraft zu den regenerativen Energie gerechnet.
Anders als bei vielen anderen regenerativen Energiequellen ist bei dieser Quelle
nicht mit längeren Ausfallzeiten wie z.B. bei Windkraft (Flaute, Sturm),
Sonnenenergie (Wolken) oder Laufwasserkraftwerken (Trockenheit) zu rechnen.
Allerdings steht diese Energiequelle nicht durchgehend zur Verfügung, da sich
Ebbe und Flut ständig abwechseln. Am stärksten ist der Wasserdurchfluss genau
mittig zwischen Höchst- und Tiefststand, beim Erreichen der Scheitelpunkte ist
der Durchfluss gleich Null. Außerdem dauert die Ebbe bzw. Flut jeweils sechs
Stunden und zwölf Minuten, so dass sich jeden Tag eine Verschiebung zum Vortag
von knapp einer Stunde ergibt. Die Produktionszeiten sind somit zwar genau
planbar, es steht aber keine Energie zu einer festen Uhrzeit zur Verfügung; je
nach Stand des Mondes gibt es auch so genannte Springtiden (höherer Wasserstand)
oder Nipptiden (geringerer Wasserstand), so dass die erzeugte Energiemenge
ungleichmäßig ist. |